Jacob Matham, nach Hendrick Goltzius, Mars und Venus (Die Götterliebschaften 3/4), um 1590, Anhaltische Gemäldegalerie Dessau

Mythos, Macht & MenschlichkeitDruckgrafik von Hendrick Goltzius aus der Anhaltinischen Gemäldegalerie Dessau

20.07.–23.09.2018 im Schaezlerpalais

Der im Westen des heutigen Nordrhein-Westfalens geborene Hendrick Goltzius (1558–1616/17) war einer der prominentesten Kupferstecher des Manierismus. Dies ging so weit, dass er während der Zeit, die er in Italien verbrachte, inkognito reiste – aus dem Bedenken heraus, die Aufmerksamkeit von Freunden und Bewunderern könne seine künstlerischen Studien beeinträchtigen. Goltzius, der aus einer Malerfamilie stammte, lernte sein Handwerk bei dem niederländischen Dichter, Gelehrten, Politiker und Künstler Dirck Volkertszoon Coornhert (1522–1590) und auch in seinem späteren Leben gehörten zahlreiche humanistische Gelehrte zu seinem Bekanntenkreis, darunter der Autor Cornelis Schonaeus (1540–1611), der zahlreiche der lateinischen Sinnsprüche auf seinen Stichen verfasste.

Dem Medium der Druckgrafik kam vor der Erfindung der Fotografie eine besondere Rolle zu, war es doch die einzige Möglichkeit, bekannte Kunstwerke einem größeren Publikum, wie z.B. Malern und Kupferstechern in Ausbildung, zugänglich zu machen. Auch in Goltzius Œuvre finden sich so einige Reproduktionen nach den Werken anderer Künstler. Und doch tragen sie immer seine persönliche Handschrift, die sich u.a. durch die Betonung der Plastizität der Darstellung auszeichnet. Eines von Goltzius‘ besonderen Talenten lag zudem in seiner Fähigkeit, den Stil früherer Stecher wie Dürer oder Lucas van Leyden zu imitieren. Er schuf so zum Teil Werke, die keine direkten Kopien waren, aber der Handschrift dieser Künstler so sehr glichen, dass sie für bislang unbekannte Werke aus deren Hand gehalten wurden.

Aber auch Goltzius‘ eigene Kompositionen dienten wiederum anderen Künstlern als Inspiration. So gilt beispielsweise der seifenblasende Putto aus dem Jahr 1594 gemeinhin als Anregung für einige Werke mit ähnlicher Thematik, so z.B. die in der Barockgalerie im Schaezlerpalais befindliche Vergänglichkeitsallegorie „Il Tempo“ von Johann Heinrich von Schönfeld (1609–1684), die das Motiv des Putto variiert.

An die 800 Kupferstiche, Radierungen und Holzschnitte sind heute aus Goltzius‘ Hand bekannt. Im Rahmen der Ausstellung werden ca. 180 Blätter aus dem Bestand der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau präsentiert, deren Sujets ein breites Themenspektrum abdecken, darunter Darstellungen von antiken Götter und Planetengottheiten, Helden und Antihelden, mythologischen und biblischen Historien, Tugenden und Laster sowie von Macht und Militär.

Hendrick Goltzius, nach Cornelis Cornelisz. van Haarlem, Phaeton (Die Himmelsstürmer 3/4), Kupferstich, 1588 © Anhaltische Gemäldegalerie Dessau
Jacob Matham, nach Hendrick Goltzius, Mars und Venus (Die Götterliebschaften 3/4), Kupferstich, um 1590 © Anhaltische Gemäldegalerie Dessau
Jacob Matham zug., nach Hendrick Goltzius, Die vier Elemente (Mythologische Allegorien 1/8), Kupferstich, 1588 © Anhaltische Gemäldegalerie Dessau
Jan Saenredam, nach Hendrick Goltzius, Andromeda und Perseus, Kupferstich, 1601 © Anhaltische Gemäldegalerie Dessau
Werkstatt von Hendrick Goltzius, nach Hendrick Goltzius, Quis evadet. Allegorie der Vergänglichkeit, Kupferstich, um 1590 © Anhaltische Gemäldegalerie Dessau