Giovanni Domenico Ferretti (1692-1768): Arlecchino und seine Dame, © Haukohl Family Collection

Im Schatten der Medici – Barocke Kunst aus FlorenzDie Haukohl Family Collection European Tour

20.10.2018–20.01.2019 im Schaezlerpalais

Erstmals in Europa präsentieren die Kunstsammlungen und Museen Augsburg vom 20. Oktober 2018 bis zum 20. Januar 2019 im Schaezlerpalais mit der Sammlung der Haukohl Family Collection die wohl bedeutendste Privatsammlung an Florentiner Barockmalerei außerhalb Italiens. Deren Vorstand, Sir Mark Fehrs Haukohl, hat es sich zum Ziel gesetzt, die bisher wenig beachteten künstlerischen Zeugnisse dieser Epoche in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, um zu verdeutlichen, dass die Florentiner Meister vom 16. bis zum 18. Jahrhundert einen weit größeren Einfluss auf die Europäische Kunstgeschichte hatten, als es die Forschung bisher vermittelt. Allegorien, religiöse Motive, Genreszenen und Porträts von Jacopo da Empoli, Cesare Dandini, Vincenzo Dandini, Giovan Domenico Ferretti und Onorio Marinari bilden das Zentrum der Sammlung. Alle Gemälde sind zudem mit prachtvollen historischen Rahmen aus ihrer Entstehungszeit versehen und entfalten somit einen ganz besonderen Reiz. 

Die Haukohl Family besitzt die wichtigste Sammlung an Florentiner Barock-Malerei in den USA, die in mehr als 35 Jahren zusammengetragen und weiterhin ausgebaut wird. Das Herzstück dieser außergewöhnlichen Kollektion sind die Gemälde dreier Generationen der Familie Dandini, beginnend mit Cesare Dandini (1596-1657), einem der führenden Maler im Florenz des frühen 17. Jahrhunderts. Er begründete eine Malerdynastie, die sich besonders mit weiblichen Porträts einen Namen machte, deren Anmut insbesondere privaten Auftraggebern gefiel. Sein jüngerer Bruder, Vincenzo (1609-1675), ist in der Haukohl Collection mit Gemälden der römischen Göttin Juno und des Evangelisten Markus vertreten. Pietro Dandini (1646-1712) führt die Malertradition der Familie bis ins 18. Jahrhundert fort, von ihm besitzt die Haukohl Family Collection eine großformatige alttestamentarische Szene „Esther vor König Ahasveros“. Von seinem Sohn Ottaviano (1681-1740) wiederum stammt eine dramatische Darstellung „Der hl. Philipp Neri und das Wunder auf der Reise nach Messina“.

Einen eigenen Abschnitt widmet die Ausstellung „Künstlern, Schriftstellern und Gelehrten“, die ein besonderes Licht auf die geistesgeschichtliche Entwicklung im Florenz der mediceischen Großherzöge wirft. So zeigen vier polychrome Stuckreliefs von Antonio Monauti (1683-1746) barocke Porträt-Interpretationen der Renaissancegrößen Michelangelo Buonarroti, Niccolò Machiavelli, Marsilio Ficino sowie des Universalgelehrten Galileo Galilei. Im Zentrum der Ausstellung steht zudem eine Harlekindarstellung von Domenico Feretti (1692-1768), einem der talentiertesten Maler im Florenz des 18. Jahrhunderts. Die Lebensfreude, die dieses auch in seiner Farbwahl sehr dynamische Bild ausstrahlt, macht es zu einem beredten Beispiel dafür, dass die Kunst in Florenz auch nach dem Ende der Renaissance auf höchstem Niveau fortgeführt wurde.

Der unter Leitung von Michel Polfer verfasste Katalog mit Aufsätzen u.a. von Eike Schmid (Direktor der Uffizien in Florenz) und James M. Breadbury (Direktor der Pinakotheca die Brera) widmet allen Ausstellungsstücken eigenständige Einträge, die den neusten Forschungsstand referieren. 

Die erste Station der vom Musée national d’hsitore et d’art Luxembourg organisierten „Haukohl Family Collection European Tour“ wird ab dem 20. Oktober 2018 das Augsburger Schaezlerpalais sein. Als Juwel der Baukunst des Rokoko bietet nicht nur das Gebäude selbst ein ideales Ambiente für die herausragende Sammlung florentinischer Barockmalerei, sondern mit den Werken in der Deutschen Barockgalerie auch eine Vielzahl großartiger süddeutscher Vergleichsbeispiele, an denen sich die Verbindungen der Kunst dieser beiden Hauptstädte der Europäischen Kultur nachvollziehen lässt. Besonders reizvoll ist in diesem Zusammenhang auch der vor dem Schaezlerpalais platzierte Herkulesbrunnen des in Florenz geschulten Adriaen de Vries, einem der Schüler Giambolognas. Eine Kopie seines Merkurs aus dem 19. Jahrhundert befindet sich ebenfalls in der Haukohl Family Collection. 

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog zum Preis von 25 Euro.

VIDEO: THE HAUKOHL FAMILY COLLECTION